Dynamische Stromtarife gelten als große Chance, um Stromkosten zu senken. Gleichzeitig herrscht viel Unsicherheit: Lohnt sich ein dynamischer Tarif wirklich? Und für wen kann er sogar teurer werden?
Die kurze Antwort: Ohne intelligentes Energiemanagement profitieren nur wenige. Mit Automatisierung kann sich das Bild jedoch deutlich ändern.
Bei dynamischen Stromtarifen orientiert sich der Strompreis am aktuellen Börsenpreis. Dieser ändert sich stündlich oder sogar viertelstündlich – abhängig von Angebot und Nachfrage.
Typisch für den Tagesverlauf:
sehr niedrige Preise bei hoher PV- und Windproduktion
hohe Preise in den Abendstunden
starke Schwankungen von wenigen Cent bis über 40 Cent pro kWh
Voraussetzung für solche Tarife ist ein Smart Meter, der den Verbrauch zeitlich genau erfasst.
In vielen Haushalten liegt der Stromverbrauch genau dann hoch, wenn der Strompreis am teuersten ist – morgens und abends. Ohne Anpassung des Verbrauchs führt ein dynamischer Tarif daher oft nicht zu Einsparungen, sondern im Gegenteil zu höheren Kosten.
Typische Risiken:
Wärmepumpe läuft zu Spitzenpreisen
E-Auto lädt abends mit teurem Strom
Warmwasser wird nachts bereitet
hoher Verbrauch genau dann, wenn Strom teuer ist
Ohne Steuerung zahlt man die Preisschwankungen direkt mit.
Dynamische Tarife sind nicht grundsätzlich schlecht – sie erfordern aber die richtigen Rahmenbedingungen.
Gut geeignet sind sie für:
Haushalte mit PV-Anlage
Gebäude mit Wärmepumpe
Nutzer mit E-Auto
Betriebe mit verschiebbarem Verbrauch
Weniger geeignet sind sie für:
Haushalte ohne steuerbare Verbraucher
Nutzer ohne Automatisierung
Gebäude mit hohem Abendverbrauch
Der entscheidende Faktor ist nicht der Tarif, sondern die Flexibilität des Verbrauchs.
Erst mit automatisierter Steuerung lassen sich dynamische Strompreise aktiv nutzen. Ziel ist es, Strom dann zu verbrauchen, wenn er günstig ist – nicht dann, wenn er gerade benötigt wird.
Typische Maßnahmen:
Wärmepumpe läuft bevorzugt bei niedrigen Preisen
Warmwasserbereitung bei günstigen Stunden
E-Auto lädt automatisch bei billigem Strom
Verbraucher werden zeitlich verschoben
Ohne tägliches Eingreifen des Nutzers.
In einem Einfamilienhaus mit Wärmepumpe, PV-Anlage und E-Auto wurde ein dynamischer Stromtarif eingeführt. Ohne Automatisierung änderte sich der Stromverbrauch kaum, die Stromkosten stiegen sogar leicht an, da der Großteil des Verbrauchs in teuren Zeitfenstern lag. Nach der Einführung eines automatisierten Energiemanagements wurden Wärmepumpe, Warmwasser und Wallbox gezielt nach Strompreis und PV-Ertrag gesteuert. Der Stromverbrauch verlagerte sich in günstige Zeitfenster, der Netzbezug sank und die jährlichen Stromkosten reduzierten sich spürbar, ohne Komfortverlust.
Gerade Betriebe können stark davon profitieren:
Maschinen mit zeitlicher Flexibilität
Kühl- und Lüftungsanlagen
Ladeinfrastruktur für Firmenfahrzeuge
Durch gezielte Verbrauchsverlagerung lassen sich Energiekosten und Lastspitzen gleichzeitig reduzieren.
Nein, technisch funktioniert ein dynamischer Stromtarif derzeit noch nicht überall in Österreich.
Ein dynamischer Stromtarif ist in Österreich nur dann möglich, wenn ein Smart Meter installiert ist, der den Stromverbrauch in Viertelstundenwerten misst. Zwar wurden in den letzten Jahren viele intelligente Zähler verbaut, allerdings sind diese nicht überall im sogenannten „intelligenten Modus“ aktiv. In manchen Fällen werden nur Tages- oder Monatswerte erfasst. Ohne aktivierte Viertelstundenmessung ist die Nutzung eines dynamischen Stromtarifs technisch nicht möglich.
Selbst mit einem aktivierten Smart Meter hängt die technische Umsetzbarkeit stark vom zuständigen Netzbetreiber ab. Dieser muss die Viertelstundenwerte korrekt erfassen, verarbeiten und dem Stromlieferanten zur Verfügung stellen. In Österreich ist das je nach Netzgebiet unterschiedlich weit umgesetzt. Während es in vielen urbanen Regionen bereits problemlos funktioniert, gibt es in ländlichen Gebieten teilweise noch Einschränkungen oder Verzögerungen.
Dynamische Stromtarife sind kein Selbstläufer. Ohne Automatisierung bergen sie ein reales Kostenrisiko. Mit intelligentem Energiemanagement können sie jedoch ein wirksames Werkzeug zur Kostensenkung sein. Solche dynamischen Stromtarif-Lösungen lassen sich mit Loxone vollständig automatisiert umsetzen, sodass Verbraucher abhängig von Strompreis, PV-Ertrag und Verfügbarkeit gesteuert werden – ganz ohne manuelles Eingreifen.
Entscheidend sind:
Transparenz über Preise und Verbrauch
steuerbare Verbraucher
automatisierte Abläufe statt manueller Bedienung
Wer diese Punkte berücksichtigt, kann dynamische Stromtarife gezielt für sich nutzen.