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Photovoltaik an der Fassade

Photovoltaikmodule können auch an Fassaden mit Vollwärmeschutz montiert werden. Entscheidend sind Statik, Abstandsmontage, Abdichtung, Hinterlüftung und eine saubere elektrische Ausführung.

Photovoltaik an der Fassade: Was bei Vollwärmeschutz technisch zu beachten ist

Photovoltaik wird meist auf Dächern montiert. In manchen Fällen kann aber auch eine Hausfassade interessant sein. Das gilt vor allem dann, wenn am Dach wenig Platz vorhanden ist oder wenn zusätzlicher Winterertrag gewünscht wird. Vertikal montierte PV-Module liefern im Sommer meist weniger Ertrag als eine klassische Dachanlage, können aber im Winter durch den tieferen Sonnenstand Vorteile haben. Besonders wichtig ist bei einer Fassadenmontage jedoch die technische Ausführung. Bei Fassaden mit Vollwärmeschutz darf nicht einfach in die Dämmung geschraubt werden.

Ist eine PV-Montage auf Vollwärmeschutz möglich?

Ja, eine Photovoltaik-Fassadeninstallation auf einer Wand mit Vollwärmeschutz ist grundsätzlich möglich. Voraussetzung ist aber, dass die Befestigung tragfähig im Mauerwerk erfolgt. Die Dämmung selbst darf keine tragende Funktion übernehmen. Bei einem Wandaufbau mit zum Beispiel 15 cm Vollwärmeschutz und 30 cm Ziegel muss die Unterkonstruktion durch die Dämmung hindurch im Ziegel verankert werden. Dafür sind geeignete Abstandsmontagesysteme notwendig. Normale Dübel oder einfache Gewindestangen sind dafür in der Regel keine saubere Lösung.

Statik und Windlasten richtig bewerten

Ein zentraler Punkt ist die Statik. PV-Module an der Fassade wirken wie eine zusätzliche Fläche am Gebäude. Dadurch entstehen vor allem bei Wind erhebliche Zug- und Sogkräfte. Diese Kräfte müssen sicher in das Mauerwerk eingeleitet werden. Besonders kritisch sind Randbereiche, Gebäudeecken und exponierte Fassadenflächen. Vor der Umsetzung sollte daher geprüft werden, welche Lasten auftreten und welche Befestigungspunkte erforderlich sind. Bei größeren Anlagen oder unsicherem Wandaufbau ist ein Statiker klar zu empfehlen.

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Die richtige Befestigung durch den Vollwärmeschutz

Die Befestigung ist der technisch wichtigste Teil der Fassadeninstallation. Verwendet werden sollten zugelassene Abstandsmontagesysteme, die für gedämmte Fassaden geeignet sind. Diese Systeme übertragen die Lasten in den tragenden Untergrund und reduzieren Wärmebrücken. Gleichzeitig verhindern sie, dass der Vollwärmeschutz zusammengedrückt wird. Wichtig ist auch die passende Verankerung im Ziegel. Je nach Ziegelart können spezielle Dübel, Injektionssysteme oder andere zugelassene Befestigungslösungen notwendig sein.

Feuchteschutz und Abdichtung der Fassade

Jede Befestigung durch den Vollwärmeschutz ist eine Durchdringung der Fassade. Deshalb muss jede Bohrung dauerhaft gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Wasser darf nicht hinter den Putz oder in die Dämmung gelangen. Sonst können Feuchteschäden, Frostschäden oder Schimmel entstehen. Die Abdichtung muss zum Fassadensystem passen und sauber ausgeführt werden. Hier ist die Zusammenarbeit mit einem Fassadenbauer oder einer erfahrenen Montagefirma sinnvoll.

Hinterlüftung der PV-Module

PV-Module sollten an der Fassade nicht direkt auf der Oberfläche aufliegen. Eine Hinterlüftung ist wichtig, damit Wärme abgeführt werden kann. Das verbessert die Lebensdauer der Module und reduziert Leistungsverluste durch hohe Temperaturen. Gleichzeitig hilft eine offene Hinterlüftung dabei, Feuchtigkeit sicher abzuführen. Der Abstand zwischen Modul und Fassade muss zum gewählten Montagesystem passen. Auch die Leitungsführung hinter den Modulen muss sauber geplant werden.

Brandschutz nicht unterschätzen

Bei Photovoltaik an Fassaden spielt auch der Brandschutz eine wichtige Rolle. Relevant sind unter anderem Gebäudeklasse, Fassadenaufbau, Brandriegel, Fensterabstände und Leitungsführung. PV-Module dürfen Fluchtwege, Brandabschnitte oder brandschutztechnische Anforderungen nicht verschlechtern. Besonders bei größeren Gebäuden oder gewerblichen Objekten sollte der Brandschutz frühzeitig geprüft werden. Auch die Abschalt- und Trennmöglichkeiten für Einsatzkräfte sind zu berücksichtigen.

Elektrische Installation und Leitungsführung

Die elektrische Installation sollte von einem qualifizierten Elektrounternehmen durchgeführt werden. Dazu gehören Stringplanung, DC-Verkabelung, Wechselrichteranschluss, Überspannungsschutz und Inbetriebnahme. Die Leitungen müssen UV-beständig, mechanisch geschützt und sauber befestigt sein. Lose Kabel hinter den Modulen sind zu vermeiden. Auch Erdung und Potenzialausgleich der Unterkonstruktion müssen geprüft werden. Bei Teilverschattung durch Fenster, Vordächer oder Nachbargebäude kann der Einsatz von Optimierern sinnvoll sein.

Welche Gewerke werden benötigt?

Ein reines Elektrounternehmen reicht für eine Fassaden-PV meist nicht aus. Zusätzlich sind je nach Projekt ein Fassadenbauer, ein Metallbauer und ein Statiker sinnvoll. Der Metallbauer oder Fassadenbauer kümmert sich um Unterkonstruktion, Befestigung und Abdichtung. Der Statiker bewertet die Lasten und den tragenden Untergrund. Das Elektrounternehmen übernimmt die elektrische Planung, den Anschluss und die Anmeldung. Am besten funktioniert das Projekt, wenn diese Gewerke früh gemeinsam planen.

Fazit

Photovoltaik an der Fassade kann eine sinnvolle Ergänzung zur Dachanlage sein. Besonders bei wenig Dachfläche oder hohem Winterverbrauch kann eine vertikale Montage interessant werden. Technisch ist eine Montage auf Vollwärmeschutz möglich, aber nur mit sauberer Planung und geeigneter Befestigung. Entscheidend sind Statik, Abstandsmontage, Feuchteschutz, Hinterlüftung, Brandschutz und eine fachgerechte elektrische Ausführung. Wer diese Punkte beachtet, kann eine dauerhafte und sichere Fassaden-PV-Anlage umsetzen.