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Photovoltaikanlage im Winter vom Schnee befreien – sinnvoll oder riskant?

Im Winter kommt bei vielen PV-Anlagen der gleiche Gedanke auf: Auf den Modulen liegt Schnee, die Stromproduktion ist nahezu null – sollte man die Photovoltaikanlage vom Schnee befreien oder besser nicht?

Die Antwort ist nicht pauschal, denn Nutzen, Risiko und Aufwand müssen richtig eingeschätzt werden.

Produziert eine PV-Anlage mit Schnee überhaupt Strom?

Frischer Schnee blockiert das Sonnenlicht fast vollständig. Bereits wenige Zentimeter reichen aus, um die Stromproduktion stark zu reduzieren oder ganz zu stoppen.

Gleichzeitig ist der Ertrag im Winter ohnehin gering: In Österreich stammen je nach Anlage nur etwa 5–10 % des Jahresertrags aus den Wintermonaten.

Das bedeutet: Nicht jeder Schneetag rechtfertigt einen Eingriff.

Wann es sinnvoll sein kann, Schnee zu entfernen

Das Entfernen von Schnee kann sich lohnen, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • lange Schneeperioden ohne Abtauung

  • flache Dachneigung (unter ca. 25°)

  • gut erreichbare Module (z. B. Garage, Carport)

  • hoher Eigenverbrauch oder dynamische Stromtarife

In diesen Fällen kann selbst ein kleiner zusätzlicher Ertrag wirtschaftlich interessant sein.

Sicherheitsrisiken nicht unterschätzen

Das größte Risiko ist nicht die Anlage, sondern die eigene Sicherheit.

Arbeiten auf verschneiten Dächern sind rutschig und gefährlich. Jährlich passieren schwere Unfälle durch Dacharbeiten im Winter.

Wichtig:

  • Dächer niemals ohne Absturzsicherung betreten

  • keine metallischen Werkzeuge verwenden

  • keine Gewalt auf Module ausüben

Der mögliche Mehrertrag rechtfertigt keine Verletzungsgefahr.

Wie man Schnee richtig entfernt (wenn überhaupt)

Wenn eine Reinigung sinnvoll und sicher möglich ist, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • nur vom Boden oder vom Balkon aus arbeiten

  • weiche Schneeschieber oder Teleskopbürsten verwenden

  • keine harten Kanten oder Metallwerkzeuge

  • Module nicht betreten

  • Glas nicht zerkratzen

Oft reicht es, nur den unteren Modulbereich freizumachen, damit der Rest bei Sonneneinstrahlung selbst abrutscht.

Wann man Schnee besser liegen lässt

In vielen Fällen ist Nichtstun die bessere Entscheidung:

  • steile Dächer (über 30–35°)

  • kurzzeitiger Schneefall

  • schwer erreichbare Dachflächen

  • geringe Wintererträge

Sobald die Sonne scheint, taut oder rutscht der Schnee meist von selbst ab – ganz ohne Risiko.

Interessanter Nebeneffekt: Schnee kann die Module sogar vor extremem Frost und Schmutz schützen. Zudem führt der sogenannte Albedo-Effekt (Reflexion des Lichts durch Schnee) bei teilfreigelegten Modulen manchmal zu leicht höheren Erträge

Vernunft vor Aktionismus

Photovoltaikanlagen müssen im Winter nicht automatisch vom Schnee befreit werden.

In den meisten Fällen ist der Ertragsgewinn gering, während das Sicherheitsrisiko hoch ist. Nur bei gut zugänglichen Anlagen und längeren Schneeperioden kann eine vorsichtige Reinigung sinnvoll sein.

Wer die PV-Anlage optimal nutzen will, sollte den Schwerpunkt auf Eigenverbrauch, intelligente Steuerung und automatisiertes Energiemanagement legen – statt im Winter riskante Arbeiten am Dach zu machen. Zusätzlich kann eine Drohneninspektion & Photovoltaik-Thermografie helfen, Leistungsverluste oder Hotspots frühzeitig zu erkennen.